Remote Services im Maschinenbau: Vorteile, Use Cases & digitale Serviceprozesse

Veröffentlicht: 25.06.2021 Aktualisiert: 23.03.2026

Von der Inbetriebnahme über die Fernwartung bis hin zur Störfallbehebung: Remote Services haben insbesondere seit 2020 gezeigt, dass viele Serviceprozesse auch ohne physische Präsenz vor Ort möglich sind. Auch komplexere Probleme lassen sich heute remote lösen – zunehmend unterstützt durch digitale Assistenzfunktionen, vernetzte Systeme und datenbasierte Entscheidungsgrundlagen.

Remote Services sind inzwischen kein isoliertes Werkzeug mehr, sondern fester Bestandteil moderner Serviceprozesse. In Verbindung mit IoT-Daten, Serviceplattformen und KI-gestützten Anwendungen entwickeln sie sich kontinuierlich weiter – vom reinen Fernsupport hin zu einem integrierten Bestandteil der Serviceorganisation.

Unterstützt durch geeignete Tools und Systeme können Servicetechniker und Kundendienstmitarbeiter vielfältige Anwendungsfälle abdecken, ohne beim Kunden physisch präsent zu sein. Doch welche Szenarien sind heute bereits etabliert und welche Technologien spielen dabei eine zentrale Rolle?

4 Use Cases für Remote Services im After Sales

#1 Inbetriebnahme und Updates

Die Inbetriebnahme neuer Maschinen oder Anlagen erfordert heute nicht mehr zwingend die Anwesenheit eines Servicetechnikers vor Ort.

Je nach Komplexität können Betreiber mithilfe von Videoanleitungen oder Live-Support durch den Hersteller durch die notwendigen Schritte geführt werden. Auch Software-Updates lassen sich vollständig aus der Ferne durchführen.

Was ursprünglich stark durch Vor-Ort-Einsätze geprägt war, wird zunehmend durch digitale Assistenzsysteme ergänzt. Diese unterstützen Anwender mit kontextbezogenen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die sich am jeweiligen Maschinenzustand orientieren. In modernen Serviceumgebungen werden Updates zudem nicht nur ausgeführt, sondern systemseitig vorgeschlagen und in Abhängigkeit von Konfiguration und Wartungsstatus automatisiert angestoßen.

#2 Monitoring

Die kontinuierliche Überwachung von Maschinen und Anlagen mithilfe von Sensoren und Smart Connected Services bildet eine zentrale Grundlage für Remote Services.

Abweichungen oder Störungen werden automatisch erkannt und an den Hersteller übermittelt, sodass geeignete Maßnahmen eingeleitet werden können.

Monitoring ist gleichzeitig das Fundament moderner Instandhaltungsstrategien wie Condition Based Maintenance und Predictive Maintenance.

Im klassischen Verständnis lag der Fokus lange auf der reinen Zustandsüberwachung anhand definierter Grenzwerte. Heute erweitert sich dieser Ansatz deutlich: Maschinendaten werden kontinuierlich analysiert, Muster identifiziert und potenzielle Ausfälle frühzeitig prognostiziert. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt von reaktiver Überwachung hin zu vorausschauender und zunehmend proaktiver Instandhaltung.

#3 Störfallbehebung

Bei der Störfallbehebung unterstützen Remote Services Servicetechniker dabei, Kunden über Video-Calls, mobile Endgeräte oder Smart Glasses durch Diagnose- und Reparaturprozesse zu führen.

Durch die gemeinsame Sicht auf die Anlage kann der Servicetechniker gezielt Anweisungen geben und den Kunden Schritt für Schritt durch die Fehlerbehebung begleiten.

Augmented Reality ermöglicht darüber hinaus die direkte Einblendung relevanter Informationen im Sichtfeld des Anwenders.

Ergänzend kommen zunehmend KI-gestützte Diagnoseverfahren zum Einsatz, die bereits vor oder während eines Remote-Einsatzes mögliche Fehlerursachen analysieren. Moderne Serviceplattformen stellen in diesem Zusammenhang automatisch passende Ersatzteile, Dokumentationen und Handlungsempfehlungen bereit, wodurch sich Effizienz und Erstlösungsquote deutlich verbessern lassen.

#4 Onboarding von Neukunden und Trainings

Schulungen und Onboarding-Prozesse werden zunehmend über digitale Kanäle durchgeführt – etwa per Tablet, Smartphone oder interaktiven Lernplattformen.

Dies ermöglicht nicht nur eine höhere Flexibilität, sondern reduziert auch Reiseaufwände und damit verbundene Kosten sowie Emissionen.

Moderne Trainingsansätze gehen jedoch darüber hinaus: Lerninhalte werden zunehmend personalisiert und an den Erfahrungsstand des Nutzers angepasst. Darüber hinaus lassen sich Schulungsszenarien direkt mit realen Maschinendaten verknüpfen, sodass Anwender in einer digitalen Umgebung praxisnah an ihrer konkreten Anlage geschult werden können.

Vorteile von Remote Services in After Sales und Service auf einen Blick:

  • Wegfall von Reisezeiten
  • Schnelle Problembehebung und Unterstützung
  • Kürzere Stillstandzeiten
  • Höhere Kundenzufriedenheit
  • Effizienzsteigerung im Service
  • Neue Geschäftsmodelle im Kundenservice
  • Reduktion von CO2-Emissionen durch Wegfall von Reisen

 

Zusätzlich entsteht durch die Integration von Remote Services in digitale Serviceplattformen ein weiterer Mehrwert: Serviceprozesse werden skalierbarer, datenbasiert auswertbar und in Teilen automatisierbar.

 

Welche Tools und Systeme sind für Remote Services notwendig und sinnvoll?

Neben digitalen Endgeräten wie Tablets, Smartphones oder Smart Glasses benötigen Servicetechniker Zugriff auf ein zentrales System, in dem servicerelevante Informationen zur jeweiligen Maschine gespeichert sind.

Diese Service-Informationssysteme ermöglichen eine 360°-Sicht auf alle relevanten Daten im konkreten Einsatzkontext – direkt am Point of Service Need.

In modernen Architekturen entwickeln sich solche Systeme zunehmend zu integrierten Serviceplattformen, die Daten aus IoT-Systemen, Dokumentation, ERP und Ticketing zusammenführen. Ergänzt werden sie durch intelligente Funktionen, die Informationen nicht nur bereitstellen, sondern im Kontext interpretieren und aktiv bei der Lösungsfindung unterstützen.

So stehen 3D- und 2D-Ansichten, Ersatzteilinformationen, technische Dokumentation, Schaltpläne, Videoanleitungen und weitere Inhalte vernetzt und schnell auffindbar zur Verfügung.

Darüber hinaus benötigen Kunden eine einfache Möglichkeit, mit dem Servicetechniker in Kontakt zu treten – beispielsweise über Chat, Video-Calls oder Remote-Zugänge für Wartungszwecke.

Fazit: Remote Services unterstützen After Sales und Service

Je nach Komplexität von Maschinen und Anlagen stellen Remote Services einen wirkungsvollen Hebel zur Effizienzsteigerung im Service dar. Sie ermöglichen schnelle Unterstützung, reduzieren Reisezeiten und verbessern die Reaktionsfähigkeit im Störfall. Gleichzeitig bleibt zu beachten, dass bei komplexen Eingriffen oder Spezialanforderungen weiterhin physische Einsätze notwendig sein können.

Der Nutzen von Remote Services steigt insbesondere dann, wenn hohe Reiseaufwände oder lange Stillstandszeiten vermieden werden können.

Insgesamt entwickeln sie sich zunehmend von einem reinen Effizienzwerkzeug hin zu einem integralen Bestandteil digital vernetzter Serviceorganisationen.

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