Instandhaltungsstrategien: Warum Reparieren allein nicht reicht

Veröffentlicht: 02.08.2021 Aktualisiert: 02.03.2026

Maschinenausfälle kommen nicht immer aus dem Nichts. Mit der richtigen Instandhaltungsstrategie können Unternehmen solche unangenehmen und vor allem teuren Überraschungen vermeiden. In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie Wartungen strategisch angehen, Risiken beherrschen und ungeplante Produktionsstillstände gar nicht erst entstehen lassen.

Ein unvorhergesehener Defekt an einer Maschine und schon steht die Produktion still. Ein Techniker muss schnellstens her und die Ersatzteile am besten per Express angeliefert werden. Produktionsausfall, gestresste Mitarbeiter, Eilzuschläge und Kunden, die nun länger auf ihre Bestellung warten müssen: Das alles verursacht Kosten, Ärger und zusätzlichen Planungsaufwand. Und die Frage kommt auf: Warum hat niemand einen solchen schwerwiegenden Ausfall kommen sehen?

Dabei hängt es maßgeblich von Ihrer Instandhaltungsstrategie ab, ob ein Maschinendefekt Sie überraschend trifft oder nicht. Mit der Auswahl der passenden Strategien haben Sie Risiken und Kosten unter Kontrolle und können Wartungen effizient planen. Durch die Digitalisierung stehen heute neue Instandhaltungsstrategien zur Verfügung.

 Welche Ansätze es gibt, zeigt der Blick auf die Wartungspyramide:

Reactive Maintenance: Wann es sich für Sie lohnt, einen Defekt in Kauf zu nehmen

Den Fall eines plötzlichen Defekts haben wir zu Beginn dieses Blogbeitrags skizziert – und in der Tat wirkt das Beispiel nicht gerade nachahmenswert. Dennoch kann diese Instandhaltungsstrategie sinnvoll sein:

  • wenn Sie Ersatzteile auf Lager legen können.
  • wenn benötigte Ersatzteile schnell zu beschaffen und durch internes Personal einfach auszutauschen sind.
  • wenn es eine Ersatzmaschine gibt, auf die Sie bei einem Ausfall ausweichen können.
  • wenn ein Defekt so selten auftritt, dass die Kosten für einen präventiven, vorzeitigen Austausch einer Komponente in keiner wirtschaftlich sinnvollen Relation stünden.

Die Vorteile von Reactive Maintenance sind in diesen Fällen klar: Sie haben keine laufenden Wartungskosten, der Aufwand für das Ersatzteilmanagement ist minimal und Sie vermeiden Überwartung – und damit unnötige Ausgaben.

 

Tipp: Mit dem richtigen Tool direkt zum passenden Ersatzteil

Bei dringenden Reparaturen ist es wichtig, Ersatz- und Verschleißteile schnell zu identifizieren und die richtige technische Dokumentation vor Ort direkt zur Hand zu haben. Dabei unterstützt Sie Quanos SIS.one, eine Software für die einfache Erstellung von Ersatzteilkatalogen und Service-Informationssystemen.

Preventive Maintenance: Weshalb Sie oft besser vorbeugen, statt sich von einem Defekt überraschen zu lassen

Während Sie bei manchen Komponenten einen kurzen Ausfall zur Reparatur in Kauf nehmen können, sind andere Defekte kritischer und gefährden massiv Ihre Produktionsfähigkeit. Der Ausfall wird zum echten Risiko für den Unternehmenserfolg. Gegen solche Situationen können Sie sich absichern.

Sie warten präventiv und übernehmen die vergleichsweise geringen und gut kalkulierbaren Kosten, anstatt dass ein Produktionsstopp Sie in die Knie zwingt. Den kurzzeitigen Ausfall während der Wartung können Sie im Voraus einplanen. Ihre Maschine bleibt technisch fit.

Tipp: Um unnötige Wartungskosten zu vermeiden, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Dazu können Sie Betriebszeiten oder die Nutzung zurate ziehen. Wie beim Auto, dessen Zahnriemen je nach Modell alle 120.000 Kilometer oder sechs Jahre gewechselt werden sollte. Wie Sie den richtigen Zeitpunkt noch besser herausfinden, zeigt die nächste Instandhaltungsstrategie.

Condition Based Maintenance: Wie Sie erfahren, dass Ihre Maschine jetzt wirklich eine Wartung benötigt

Die Instandhaltungsstrategie Condition Based Maintenance löst ein zentrales Problem, vor dem Sie in der Produktion stehen: den richtigen Wartungszeitpunkt zu finden.

  • Führen Sie eine Wartung zu früh durch, ersetzen Sie Bauteile, die eigentlich noch funktionsfähig wären. Das verursacht unnötige Kosten.
  • Warten Sie zu lange ab, riskieren Sie einen Defekt mit der Folge eines teuren Produktionsausfalls.

Condition Based Maintenance setzt auf den tatsächlichen Zustand Ihrer Maschine. Wie bei einem modernen Auto, das erst dann zum Ölwechsel auffordert, wenn die Qualität des Öls wirklich schlecht ist. Damit dies funktioniert, muss Ihre Maschine mit Sensoren ausgestattet sein und die erhobenen Daten ausgewertet werden. Deshalb lässt sich diese Instandhaltungsstrategie bei vernetzten Maschinen besonders gut umsetzen.

Bei der Entscheidung für Condition Based Maintenance geht es nicht nur um Technik, sondern sie ist auch eine wirtschaftliche Abwägung: Welche Kosten lassen sich durch diese Instandhaltungsstrategie einsparen oder vermeiden und welche entstehen für die technische Ausrüstung und die Datenauswertung?

 

Predictive Maintenance: Wie Sie den richtigen Wartungszeitpunkt langfristig berechnen

Condition Based Maintenance hat eine Schwachstelle: Sie werden alarmiert, wenn die Wartung notwendig ist. Die Zeit drängt und der Vorlauf ist recht kurzfristig, was Ihre Produktionsplanung durcheinanderbringt. Ersatzteile müssen kurzfristig beschafft werden und dann braucht es ebenso Techniker, die zeitnah einsatzbereit sind. Sie stellen fest: Sie haben in Sensoren und Datenauswertung investiert und doch lassen sich Wartungen noch immer schwer steuern.

Doch es geht besser: mit Predictive Maintenance oder auf Deutsch vorausschauende Wartung bzw. prädikative Instandhaltung. Sie überwachen nicht nur den Zustand einer Maschine, sondern können darüber hinaus voraussagen, wann eine Wartung fällig wird. So lässt sie sich zeitlich optimal einplanen.

Dazu kombinieren Sie die Sensordaten mit weiteren Daten, zum Beispiel:

  • Umgebungs- und Standortdaten wegen ihrer externen Einflüsse auf Komponenten
  • Informationen zu vorangegangenen Maschinenausfällen und Störungen
  • bereits durchgeführte Reparaturen
  • Betriebs- und Nutzungszeiten

Daraus lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten berechnen. Um diese vorausschauende Wartung zu realisieren, kommen Data-Analytics-Technologien und künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Aber: Bei Predictive Maintenance müssen Sie große Datenmengen händeln. Sie brauchen also die richtige Infrastruktur, Software und viel Fachwissen. Der budgetäre Aufwand ist nicht für jede Anlage oder Maschine wirtschaftlich. Sie ist vor allem dann sinnvoll, wenn ungeplante Stillstände hohe Folgekosten verursachen und Wartungseinsätze planbar sein müssen.

 

Für Maschinenbetreiber: Instandhaltungsstrategien für einen besseren Service

Im Maschinenbau bieten Hersteller ihren Kunden immer häufiger „as-a-Service“-Leistungen an. Das heißt, dass sie nicht ihre Maschinen verkaufen, sondern deren Output, beispielsweise eine bestimmte Menge an Teilen. Der Hersteller wird zum Betreiber und ist damit für die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit seiner Maschinen verantwortlich. Ausfälle wirken sich direkt negativ auf die Kundenbeziehung und den Umsatz aus.

Condition Based und Predictive Maintenance spielen im Betreibermodell ihre Vorteile aus, da Herstellern die Daten vieler Maschinen vorliegen. Drohende Störungen lassen sich mit diesen fortgeschrittenen Instandhaltungsstrategien rechtzeitig erkennen, Serviceeinsätze effektiv planen. Erfahrungen mit einer Maschine helfen, den gesamten Maschinenpark zu optimieren, bevor derselbe Defekt mehrfach auftritt.

 

Wie Sie Instandhaltungsstrategien auf Ihren gesamten Maschinenpark anwenden

Ein einzelner Defekt ist ärgerlich. Doch wenn er einen ganzen Maschinenpark betrifft, wird es erst recht kritisch. Ob Ihr Unternehmen Maschinen in der eigenen Produktion einsetzt oder Sie diese als Betreiber Ihren Kunden zur Verfügung stellen: Sie sollten jederzeit wissen, auf welchem technischen Stand die Maschinen sind und Ihre Erfahrungen nutzen, um systematisch Schwachstellen aufzudecken.

Fällt eine Komponente aus, können Sie diese potenzielle Schwachstelle analysieren und an „Schwestermaschinen“ beheben, bevor es zum gleichen Ausfall kommt. Diese Instandhaltungsstrategie wird als Reliability Based Maintenance bezeichnet. Die Vorteile: Ihr Maschinenpark gewinnt an Zuverlässigkeit, weil Sie ihn gezielt optimieren. Sie vermeiden Ausfälle und sichern die Produktion.

Dieses Vorgehen ist allerdings kostenintensiv, wenn Sie beispielsweise ein noch gut funktionierendes Bauteil an zahlreichen Maschinen vorsorglich austauschen. Deshalb setzen viele Unternehmen Kosten und Nutzen von Wartungen in Relation. Anhand von Zustandsdaten und Ausfallrisiken ersetzen sie Bauteile zum wirtschaftlich optimalen Zeitpunkt. Dieser ganzheitliche Ansatz wird als Financially Optimized Maintenance bezeichnet.

 

Fazit: Auf die richtige Instandhaltungsstrategie kommt es an

Die Digitalisierung verändert die Wartung: Statt Reparieren und Austauschen von Teilen zu festgelegten Zeitpunkten ist es heute möglich, intelligentere Instandhaltungsstrategien anzuwenden. Zwar steigt der Aufwand zur Umsetzung, andererseits profitieren Sie aber auch von zahlreichen Vorteilen, wenn Sie Wartungen sehr genau planen können:

  • Sie reduzieren (ungeplante) Stillstandszeiten und damit verbundene Produktionsausfälle.
  • Sie optimieren Ihre Kosten.
  • Sie führen Wartungen nur dann durch, wenn sie wirklich notwendig sind.
  • Sie können Serviceeinsätze und das Ersatzteilmanagement besser planen.
  • Dank gezielter Wartung verlängern Sie die Lebensdauer von Maschinen und Anlagen.
  • Sie erhöhen die Produktivität und Leistung Ihrer Maschinen.
  • Nicht zuletzt profitieren Ihre Mitarbeiter von mehr Sicherheit.

In der Praxis hängt eine erfolgreiche Umsetzung unter anderem davon ab, ob relevante Informationen zu Maschinen, Wartung und Service verfügbar sind und miteinander vernetzt werden können. Software wie Quanos InfoTwin unterstützen Unternehmen dabei, eine zentrale Plattform für alle Ersatzteil-, Wartungs- und Service-Informationen zu schaffen.

Was mit dieser Cloud-Lösung möglich ist, zeigt das Praxisbeispiel des österreichischen Maschinenbauers UNTHA, der seinen Kunden unter anderem einen digitalen Wartungsmanager anbietet.

 

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