Einfache Sprache in der Technischen Redaktion

Veröffentlicht: 11.06.2024 Aktualisiert: 12.06.2024

Seit 2019 entstehen auf nationaler und internationaler Ebene Normen für Einfache Sprache. Dr. Markus Nickl, Geschäftsführer des Quanos-Partnerunternehmens doctima, leitet die Normbestrebungen beim DIN. In unserem Podcast hat er uns verraten, was die neuen Normen für Technischen Redaktionen ändern werden und wie sie sich in Zukunft nutzen lassen.

Einfache Sprache macht alles neu?

Einfache Sprache (oder in Englisch Plain Language) ist ein Schreibstil, der dafür sorgen soll, dass möglichst viele Menschen Sachtexte verstehen können, die für sie bestimmt sind. Annetta Cheek hat dies schon 2010 in einer Defintion zusammengefasst, die die wesentlichen Elemente der Einfachen Sprache beschreibt: „A communication is in plain language if it meets the ends of the audience – by using language, structure, and design so clearly that the audience has the best possible chance of readily finding what they need, understanding it, using it.“

Zielgruppe, Kommunikationsziele, Verständlichkeit, Auffindbarkeit und Nutzbarkeit sind also wesentliche Elemente einer Einfachen Sprache. Anforderungen die so auch auf die Technische Dokumentation zutreffen.

Dabei verändert Einfache Sprache – anders als Leichte Sprache – nicht die allgemeingültigen sprachlichen Standards. Während Leichte Sprache schwerpunktmäßig auf Menschen mit kognitiven Einschränkungen abzielt, richtet sich Einfache Sprache prinzipiell an alle. Sie bietet sich dadurch auch für die Technische Dokumentation an, deckt aber auch andere Branchen und Schreibaufgaben ab, z. B. Behördenkommunikation oder die Formulierung von Endbenutzerverträgen.

Einfache Sprache – bald nutzbar?

Einfache Sprache wird in Deutschland bisher in zwei Normen bzw. Normvorhaben behandelt. Die internationale Norm DIN ISO 24495-1 regelt allgemeine Grundsätze der Einfachen Sprache: Auffindbarkeit und Relevanz der Inhalte, Verständlichkeitsanforderungen und vor allem den Aspekt der Nutzbarkeit. Dies schließt zum Beispiel auch eine Zielgruppenanalyse und die Beobachtung des Dokuments über die gesamte Nutzungsdauer hinweg ein. Abgerundet wird DIN ISO 24495-1 durch eine deutsche Norm, die sprachabhängige Aspekte regelt, vor allem also, welche sprachlichen Eigenschaften im Deutschen die Verständlichkeit und Auffindbarkeit beeinflussen.

Beide Normen sind bereits in einem fortgeschrittenen Stand. Die internationale Norm ISO 24495-1 ist bereits veröffentlicht und nutzbar. Die Übertragung dieser Norm für Deutschland als DIN ISO 24495-1 befindet sich zurzeit in Übersetzung und wird Anfang 2024 veröffentlicht. Auch die sprachbezogene Norm für das Deutsche ist in der letzten Phase der Publikation. Nach einer öffentlichen Kommentierungsphase und der darauf aufbauenden Überarbeitung ist die DIN 8581-1 nun in einer letzten Reviewphase und wird vermutlich zu Beginn des zweiten Quartals 2024 veröffentlicht.

Einfache Sprache – in der Technischen Redaktion?

Was bringen die Normen für Einfache Sprache aber in der Technischen Redaktion? Entsteht hier nun ein weiterer Sprachstandard, den es zusätzlich zu berücksichtigen gilt und der im schlimmsten Fall im Widerspruch zu existierenden Normen und Redaktionsleitfäden in der Technischen Redaktion steht?

Genau das Gegenteil ist der Fall. Wer bestehende Sprachstandards in der Technischen Redaktion bereits kennt, der wird in den beiden Normen viel Bekanntes wiederfinden. Inhaltlich gibt es also für Technische Redakteure und Redakteurinnen nur wenig Neues zu erlernen.

Dennoch sind die beiden Normen für die Technische Redaktion ein Gewinn. Denn sie transportieren die sprachlichen Qualitätsstandards, die bei uns herrschen, in eine breitere Zielgruppe. So bietet sich die Norm zum Beispiel als Standard für die Digitalisierung an, indem sie dokumentations-kompatible Regeln vorgibt, auf die sich auch andere Abteilungen verständigen können.

Auch bei der Personalgewinnung entstehen Vorteile, wenn sprachliche Regeln wie in der Technischen Redaktion nun auch in anderen Branchen üblich werden z. B. dem Journalismus. Denn sie erleichtern Menschen aus diesen Bereichen den Quereinstieg in die Technische Redaktion.

Und zu guter Letzt ist die Norm auch ein Imagefaktor, denn mit ihr lässt sich die hohe Qualität der Technischen Dokumentation anhand einer breit gültigen Norm nachweisen. Mit den Normen zur einfachen Sprache gewinnt die Technische Redaktion also ein Werkzeug, das sich auf vielen Ebenen gut nutzen lässt, ohne einen aufwendigen Umstellungsbedarf zu verursachen.

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