Nie wieder 1001 Quellen? - Single Source in der Technischen Doku

Veröffentlicht: 11.05.2022 Aktualisiert: 15.06.2022
Thema: Digitalisierung Content-Erstellung Smart Information Wiederverwendung

Single Source ist ein Stichwort, das in Technischen Redaktionen immer wieder fällt. Im ersten Moment scheint sich das recht einfach zu erschließen: Alles soll irgendwie aus einer Quelle kommen. Sieht man sich den Begriff einmal genauer an, dann entdeckt man allerdings einige überraschende Aspekte.

Single Source ist ein Stichwort, das in Technischen Redaktionen immer wieder fällt. Im ersten Moment scheint sich das recht einfach zu erschließen: Alles soll irgendwie aus einer Quelle kommen. Sieht man sich den Begriff einmal genauer an, dann entdeckt man allerdings einige überraschende Aspekte.

Single Source und Layout

Single Source bedeutet zunächst einmal tatsächlich, dass alle Inhalte aus einer Quelle kommen sollen. Das klingt trivial, ist in der Praxis aber gar nicht so einfach. Ein Beispiel: Wenn wir ein Handbuch sowohl als DIN A4 Druckwerk als auch in DIN A5 ausliefern wollen, dann werden wir in Schwierigkeiten kommen, wenn in einem der beiden Dokumente „s. Seite 25“ steht. Denn in dem jeweils anderen Dokument wird sich der Inhalt vermutlich nicht auf derselben Seite befinden.

Dieses Phänomen zieht immer weitere Kreise und vieles, was wir in unserem traditionellen Verständnis als Inhalt betrachten, wird plötzlich variabel: Inhaltsverzeichnis, Fußnoten, Kopfzeilen, Abbildungsnummerierungen, Index – ja sogar die Titelseite ist eigentlich kein Inhalt und sieht je nach Gestaltung völlig anders aus. Nicht einmal die Begriffe, die wir in den Texten verwenden, sind immer single-source-tauglich: „Kapitel“, „Einleitung“, „Seite“ machen wenig Sinn, wenn aus dem Single-Source-Pool eine Internetseite oder Doku-App produziert werden soll.

Single Source und Modularisierung

Single Source bedeutet nicht nur, dass sich Inhalte mit unterschiedlicher Gestaltung aus einer Quelle erzeugen lassen. Es bedeutet auch, dass wir aus derselben Quelle verschiedene Medien bedienen können. Dabei müssen bestimmte Merkmale von Printprodukten vermieden werden (z. B. Seitenzahlen) und andere Merkmale hinzukommen (z. B. Links oder Tooltips mit Bildbeschreibungen). Auch die Lesegewohnheiten sind je nach Medium anders. Während bei gedruckten Texten von den Lesern und Leserinnen oft sehr lange Passagen akzeptiert werden, erwarten sie bei einer Website schon kürzere, bei einer mobilen Anwendung noch kürzere und bei Augmented Reality sogar noch kürzere.

Single Source bedeutet deshalb auch, dass sich bestehende Texte nicht einfach in ein Single Source System transferieren lassen. Sie müssen in kleinere Einheiten zerlegt, also modularisiert werden. Dadurch lassen sich diese Einheiten wiederum in vielfältigen Kontexten einsetzen. Derselbe Warnhinweis ist einmal ein Teil eines Handlungsablaufs, dann wieder Bestandteil des Sicherheitskapitels und zu guter Letzt auch ein Aufkleber auf der Maschine.

Single Source und die Wahrheit

Einen letzten Aspekt gilt es bei Single Source noch zu berücksichtigen. Wenn alles aus einer Quelle kommt, dann muss diese Quelle auch gespeist werden. Schnell kommt es da zu Unsicherheiten, wenn dieselbe Information aus verschiedenen Quellen eingespeist werden kann: Welche Version der Information ist die aktuelle? Wo wurde ein Rechtschreibfehler korrigiert und wo nicht? Welche Information ist fachlich geprüft? Um solche Zweifelsfälle zu vermeiden, muss deshalb eine „Single Source of Truth“ definiert werden. Dies ist ein Datenspeicher, in dem jeder Inhalt zentral vorliegt und dabei immer klar ist, in welchem Zustand sich die Inhalte jeweils befinden (z. B. freigegeben, versioniert, veraltet). Denn ohne eine Single Source of Truth gerät man schnell in eine Situation, in der sich Fehler multiplizieren. Oder kurz gesagt: Single Source steht und fällt mit der Qualität der Inhalte.

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