Technischer Redakteur: Ein Tag im Leben von Martin Rauscher

Veröffentlicht: 16.10.2023 Aktualisiert: 16.10.2023
Thema: Hinter den Kulissen

Komplexes in verständliche Worte fassen: So wird die Aufgabe eines Technischen Redakteurs typischerweise beschrieben. Doch bietet der Beruf viel mehr als das reine Schreiben. Martin Rauscher, Technischer Redakteur beim mittelständischen Maschinenbauer GROB im Allgäu, gewährt uns einen Einblick in seinen abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

8 Uhr

Als ich ins Büro komme, erwarten mich drei Chat-Nachrichten von Kollegen. Kaum bin ich in Teams auf Grün, ruft mich jemand an. Als First-Level-Support für SCHEMA ST4 helfe ich meinen Kollegen, wenn sie Fragen zur Software haben. Aktuell sind wir in der gesamten Technischen Dokumentation ungefähr 120 Leute, intern und extern. Wir arbeiten in kundenspezifischen Projektteams. Nur in meiner Abteilung kümmern wir uns übergreifend um die Projektunterstützung und übergeordnete Aufgaben. Die Kollegen sind zu einem kleinen Teil studierte Technische Redakteure, überwiegend aber Quereinsteiger, die früher als Elektriker oder Mechaniker in der Halle, also unserer Produktion, gearbeitet haben. Gerade sie sind es einfach gewohnt, um 6 Uhr anzufangen. Da bin ich um 8 Uhr, 8.30 Uhr schon spät dran. Bevor ich intern die Stelle wechselte – vor zwei, drei Jahren – habe ich selbst als klassischer Technischer Redakteur in einem der Projektteams gearbeitet.

8.15 Uhr

Ich beantworte die ersten Fragen, dann checke ich meine Mails, meist auch mit Fragen zu ST4 oder zu Konzepten, die wir noch umsetzen wollen. Ich erhalte oft auch Anfragen aus anderen Abteilungen zur Technischen Dokumentation. Ich bin seit elf Jahren bei GROB, da kennen die Leute mich einfach in der Firma. Meistens helfe ich über Teams, viele Kollegen sind im Homeoffice. Oder ich gehe in unserem Großraumbüro bei ihnen vorbei und wir schauen uns ihr Problem zusammen an. Sie sind immer total dankbar, denn sonst könnten sie ja nicht weiterarbeiten. Mit Support-Aufgaben verbringe ich fast die meiste Zeit des Morgens.

Früher, als Technischer Redakteur im Projektteam, habe ich die ersten ein bis zwei Stunden des Tages mit organisatorischen Aufgaben verbracht, Termine vorbereitet und dann den Rest des Vormittags recherchiert. Wir bauen keine Toaster, sondern hochkomplexe Anlagen. Die Kombination aus Wartungsplänen und Betriebsanleitungen: Das ist unser Handwerk in der Technischen Dokumentation bei GROB. Und die ganzen Infos dafür müssen erst einmal gesammelt werden, ob bei Kollegen in der Halle, den Konstrukteuren oder den Zulieferern.

11 Uhr

Mit ausgewählten Usern aus den Projektteams treffen wir uns im Arbeitskreis ST4. Da dreht sich alles um das Technische. Welche Workflows wollen wir in der Software entwickeln? Wie können wir das Layout optimieren? Welche Programmteile von ST4 könnten wir noch einführen? Es ist einer von zwei fixen Terminen in der Woche. Freitags treffen wir uns außerdem zum Arbeitskreis „Arbeitsphilosophie in ST4“. Unsere Maschinen werden immer anspruchsvoller und ST4 hilft uns da enorm. Früher haben wir mit Word gearbeitet und die Anleitungen am Ende händisch zusammengebastelt über PDF. Das war ein Riesenaufwand. Mit ST4 geht das sehr viel einfacher, aber die Kollegen müssen diese Technologien natürlich auch nutzen können. Und da überlegen wir, wie wir es ihnen möglichst einfach machen können, mit Schulungen, Vorlagen etc. Außerdem möchten wir sicherstellen, dass alle einheitlich damit arbeiten.

11.55 Uhr

Unsere Abteilung hat von 11.55 bis 12.25 Uhr Mittagspause. Das ist bei GROB sehr durchgetaktet. Die Firma ist so groß. Würde jeder um 12 Uhr in die Kantine gehen, würde sie einfach explodieren. Beim Essen sprechen wir über die Arbeit, definitiv, aber auch viel über Privates. Und dann treffe ich in der Kantine auch Leute aus anderen Abteilungen, die ich nicht so oft sehe und wir tauschen uns aus.

12.25 Uhr

Zurück am Schreibtisch. Jetzt habe ich noch ein paar Minuten Verschnaufpause. Um 12.45 Uhr geht es weiter mit dem sogenannten Shopfloor, woanders nennt man das vielleicht Jour fixe. Wir telefonieren uns als Team eine Viertelstunde zusammen und besprechen aktuelle Themen.

13 Uhr

Den Nachmittag nutze ich dafür, allgemeingültige Anleitungen zu schreiben. Manche Komponenten in unseren Maschinen sind immer gleich. Zum Beispiel die Motorspindel, das Herzstück unserer Zerspanungsmaschinen. Im Grunde genommen ist das ein großer Elektromotor. Hochkomplex, hohe Drehzahl. Da dieses Teil so universell einsetzbar ist, schreiben wir die Anleitung hier im Supportteam. Am frühen Nachmittag wird es im Büro dann auch etwas ruhiger. Um mich besser aufs Schreiben konzentrieren zu können, habe ich mir Noise-Canceling-Kopfhörer angeschafft. Und ich habe auf Teams eine tolle Funktion entdeckt, die heißt Fokuszeit. Sie blockiert rigoros freie Termine im Kalender, sodass die Kollegen sehen, dass ich beschäftigt bin. Dann habe ich einfach Zeit, um konzentriert an einer Anleitung zu schreiben. Andere arbeiten lieber zu Hause, aber ich bin kein Homeoffice-Mensch. Ich kenne mich. Wenn ich daheim bin, ist da meine Tochter und dann sehe ich den Haushalt …

15 Uhr

In den ein bis zwei Stunden vor Feierabend nehme ich mir immer eine Aufgabe vor, die ich am selben Tag noch abschließen kann. Eine richtig große Anleitung ist natürlich nicht an einem Tag zu schaffen. Früher im Projektteam habe ich dann zum Beispiel alle Fotos für eine Anleitung vorbereitet oder ein bestimmtes Kapitel fertiggeschrieben. Heute lektoriere ich in der Zeit meistens die Texte von Technischen Redakteuren. Sie geben ihr Geschriebenes oft zu uns. In meinem Team arbeiten viele, die studiert haben, die das Redaktionelle sehr gut können, und wir haben uns auch viel technisches Wissen angeeignet. Daher können wir beides hier gut prüfen.

16 Uhr

Feierabend! Ich habe alle meine Aufgaben für heute erledigt. In den allermeisten Fällen gehe ich mit einem guten Gefühl nach Hause, einfach weil ich ja wirklich jeden Tag den Kollegen helfe und dementsprechend auch positives Feedback bekomme. Und tatsächlich kann ich die Arbeit gut „in der Arbeit“ lassen. Jetzt freue ich mich auf meine Familie, darauf, Zeit mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter zu verbringen.

Protokoll: Kerstin Smirr

Zur Person:

Martin Rauscher stammt aus der Bodenseeregion und entschied sich nach dem Abitur, Technische Redaktion in Karlsruhe zu studieren. Nach dem Abschluss startete er seine berufliche Laufbahn beim Maschinenbauer GROB in Mindelheim (Allgäu), wo er nun seit inzwischen elf Jahren tätig ist. Das mittelständische Unternehmen ist auf die Zerspanungstechnik und den Bau von Universal- und Sondermaschinen spezialisiert. 2016 stieg es in die Elektromobilität ein und baut heute auch Maschinen und Anlagen zur Produktion von Elektroantrieben und Batterien.

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